Pressemitteilung des Niedersächsischen Umweltministeriums (18.09.2006)

Pressemitteilung Nr.99/2006 – „Natur erleben“:

Richtfest für Beobachtungsturm Nienwalde bei Gartow mit Minister Sander

Heute fand das Richtfest des Beobachtungsturmes Nienwalde statt. Dieser ist Teil des Projektes „Seeadlerbeobachtung in der Seegeniederung bei Gartow“. Vor fast genau einem Jahr wurde feierlich am 5. September 2005 die Vertragsunterzeichnung zum Projekt vorgenommen. Jetzt, ein Jahr später, geht ein erster Projektschwerpunkt, der Beobachtungsturm Nienwalde als ein Herzstück des Seeadlerprojektes, seiner Vollendung entgegen.

Umweltminister Hans-Heinrich Sander sagte: „Wir sind froh, dass es in Niedersachsen wieder Seeadler gibt. Inzwischen 20 Paare. Wir wollen, dass es mehr werden. Daher engagieren wir uns im Artenschutz. Damit die Menschen etwas davon haben, sorgen wir dafür, dass sie Natur erleben können. Und wir sind hoch erfreut, dass wir die Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung gewinnen konnten, das Seeadler Erleben mit 700.000 Euro zu unterstützen. Dass dabei mehr als Seeadler erlebt werden können, nämlich die herrliche Landschaft mit ihren Pflanzen und Tieren, versteht sich von selbst.“

Nach dem Richtspruch des Zimmermeisters erklärte Prof. Dr. Burkhard Huch, Vorsitzender der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung: „Das von uns unterstützte Vorhaben ist eine hervorragende Möglichkeit, den Naturschutz mit der Förderung von regionaler Entwicklung und wirtschaftlichen Aspekten zu verbinden. Entsprechend haben Firmen aus der Umgebung hier gearbeitet und werden die Menschen vor Ort von den Gästen und Besuchern profitieren.“

„Die Menschen können bei uns in Gartow naturverträglich Vögel, Tiere und die Seegeniederung erleben. Wir freuen uns auf die Besucher. Sie sind uns herzlich willkommen. Sie sollen an unserer schönen Natur teilhaben“ sagte Gartows Samtgemeinde-Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schröder beim traditionellen Richtfest. Mit dem Turm gehe ein erstes Herzstück des Projektes seiner Vollendung entgegen, so Schröder weiter.

NABU Landesvorsitzender Hans-Jörg Helm erklärte: „Wir können vielen Menschen die Schönheit und den Wert dieses einzigartigen Landschaftsraumes zeigen. Deshalb engagieren wir uns hier. Damit wird vermittelt, wie wichtig es ist, sich für den Erhalt unseres niedersächsischen Naturerbes einzusetzen.“

Neben der Errichtung des Beobachtungsturmes Nienwalde gibt es weitere Bausteine in dem Vorhaben. So soll auch der ursprüngliche Verlauf der Seege wiederhergestellt werden. Zurzeit fließt die Seege noch kanalartig, nahezu schurgerade durch die Wiesen. Ende des Jahres aber soll sie wieder in ihrem ursprünglichen Flussbett fließen. Bis zu sechs Flussschleifen werden wieder hergestellt. Daneben entstehen fünf unterschiedlich große Flutmulden auf Flächen des Landes Niedersachsen und ein größerer Nahrungsteich mit Fischbestand. Zukünftig sollen sich hier wilde Wasservögel einfinden und somit das Jagdspektrum des Seeadlers bereichern.

Wie sich dabei die Landschaft verändert, welche Tier- und Pflanzenarten hinzukommen und verschwinden oder welche Auswirkungen die Renaturierung der Seege auf die Qualität des Wassers haben wird beobachten bereits neugierig die Schüler der Gartower Schulen. Diese sind im Zuge von Umweltbildungsmaßnahmen mit in dieses Projekt eingebunden. Die Gartower Elbtalschule stimmt beispielsweise den Biologieunterricht zum Thema entsprechend ab und die Schüler unternehmen an Projekttagen Exkursionen in das Gebiet, um umfangreiche Bestandsaufnahmen vorzunehmen. Eine weitere Schülergruppe begleitet alle Vorhaben mit der Kamera und erstellt eine Dokumentation.

Das Projekt wird mit Mitteln der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung gefördert und ist Bestandteil des landesweiten Vorhabens „Natur erleben in Niedersachsen“ des Niedersächsischen Umweltministeriums. Als Projektträger fungieren die Samtgemeinde Gartow sowie der NABU Niedersachsen.

Das Projekt wurde geprüft durch das Niedersächsische Umweltministerium, den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sowie die Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue und wird von diesen bei seiner Umsetzung begleitet. Die bautechnische Abwicklung des Holz-Beobachtungsturmes lag in den Händen des örtlichen Architekten Dipl.-Ing. Architekt BDLA Sigurd Stüben aus Gartow und der vor Ort ansässigen Firma Zimmerei Stüben, ebenfalls aus Gartow.

Von dem über 15 Meter hohen Beobachtungsturm blickt man über Deich und Baumkronen hinweg in die Seegeniederung. In Kürze werden hier Bagger eine Wasserlandschaft entstehen lassen, wie sie einst überall im Urstromtal der Elbe vorzufinden war – ein weiteres Revier für den heimischen Seeadler, der dem Projekt seinen Namen gegeben hat. Der Beobachtungsturm Nienwalde bietet die Möglichkeit, neben Seeadlern andere seltene Tierarten in naturverträglicher Weise zu erleben.